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2016-10-18

Braunschweig braucht geschützte Radfahrstreifen

Letztens hatte ich einen alten Freund für zwei Tage zu Gast. In der Radstation am Braunschweiger Bahnhof haben wir ihm schnell ein Leihfahrrad für 6 € pro Tag besorgt und schon ging's los.

Er fährt nicht so häufig Fahrrad. Und auch wenn es ihm Spaß macht, so ist er doch sehr langsam unterwegs. Für mich absolut kein Problem. Allerdings merkt man so recht schnell die schlechten Seiten von Braunschweigers Fahrradinfrastruktur.

Vom Bahnhof weg gibt es wunderbar-breite Radwege. Leider enden die nach einiger Zeit an Kreuzungen und schon ist - leider - Hintereinanderfahren angesagt. Nicht so schön. Das ist einer der Gründe, aus denen ich stets sage: Auch wenn 2-Meter-breite Radwege an jeder Hauptstraße noch lange nicht genug sind, so wäre es doch eine immense Verbesserung hier in Braunschweig.

Dennoch kann man sich auch während des Hintereinanderfahrens ein wenig unterhalten. Und immer wieder gibt es Stellen, die zwar nicht breit genug fürs Überholen sind, doch aber genug fürs Nebeneinanderfahren von zwei Bekannten.

Jetzt werden sicher wieder einige daherkommen und sagen: Ja, die ollen Radwege halt. Darum: Wahlfreiheit! Gegen Benutzungspflicht kämpfen! So sehr ich dieser Sicht auch folgen kann: Was hätte es uns in der Situation genutzt, wenn der Radweg nicht benutzungspflichtig gewesen wäre? Ich fahre nicht gerne zwischen KFZ - insbesondere nicht auf Hauptstraßen - und mein Besuch schon gar nicht. Was uns geholfen hätte, wäre ein breiterer Radweg. Mehr nicht.

Sehr viel schlimmer waren sowieso die Abschnitte, die wir in der Innenstadt mit KFZ, insbesondere mit Bussen, teilen mussten. Die Busfahrer (interessanterweise übrigens nicht die Busfahrerinnen) der Braunschweiger Verkehrs-AG sind mir schon lange negativ aufgefallen, wenn es um Abstände beim Überholen von Radelnden oder um Auffahrabstände ging. Einer schnitt mir auch schon mal den Weg ab und riskierte einen Unfall, da ich vor ihm auf der gleichen Fahrbahnspur wie er fuhr, wo ich es durfte. Wie ungehörig von mir.

Wie dem auch sei, das Fahrbahnfahren war jedenfalls immer dasselbe: Stressig: Entweder knapp von KFZ überholen lassen und die Gefahr eingehen, von einer sich öffnenden Autotür umgenietet zu werden, oder in der Mitte der Spur fahren. Ich kann sowas, aber ich hasse es auch, weil ich einfach nur entspannt von A nach B auf dem Rad fahren will. Und, völlig egal, was mir Leute erzählen, für mich ist es das Gegenteil von Enspannend - auch nach Jahren des Alltagradelns. Insbesondere einen Bus für mehrere 100 Meter auszubremsen ist etwas, das sich nicht Viele zutrauen.

Und da haben wir es wieder: Fahrbahnfahren ohne Schutz vor KFZ ist eben nicht für Jede und Jeden. Interessanterweise waren die Abschnitte, die mir dieses mal so stressig vorkamen, nur wegen meines Besuchs so stressig, welcher natürlich nichts dafür konnte. Normalerweise fahre ich in den entsprechenden Abschnitten viel schneller und halte zwar nach wie vor die KFZ auf, aber nicht allzu stark. Jetzt aber fuhren wir max. 10kmh - mitten auf der Fahrspur. Dafür braucht es Mut, Selbstvertrauen, Übung. Nichts also für Schwache, Langsame oder solche, die einfach nur entspannt fahren wollen.

Ich weiß daher sehr genau, was mein Besuch auf dem Rad ohne mich an den stressigen Stellen gemacht hätte: (Illegal) auf dem Gehweg Fahren. Sehe ich als Radfahrer dort öfter. Und auch als Mitfahrer im Bus habe ich dort schon mehrmals gesehen, wie eine Radfahrerin oder ein Radfahrer nach ein wenig Bus-Aufhalten, schön schnell auf den Gehweg "flüchtete".

Und zwar hier ("Hintern Brüdern"):


Es handelt sich um eine erst kürzlich komplett erneuerte Einbahnstraße, die für Radelnde in beide Richtungen freigegeben ist. Um besser sichtbar zu machen, dass Radelnde hier in der Tat in Gegenrichtung fahren dürfen, wurde ein Schutzstreifen aufgetragen. Der weitere Verlauf sieht folgendermaßen aus:



Hier fahren relativ viele KFZ entlang, darunter ein Großteil der Braunschweiger Linienbusse - alle nämlich, die von der Haupt-Bushaltestelle "Rathaus" wegfahren. Die Wahrscheinlichkeit für Radelnde hier ist demach groß, Bussen zu begegnen oder hinter sich zu haben.

Auch PKW machen hier das Fahren allerdings stressig. Am Anfang des beschriebenen Abschnitts existieren einige KFZ-Parkplätze an der rechten Seite. Dort muss mittig gefahren werden, da Radelnde sonst Autotüren abgekommen könnten - also: KFZ aufhalten.

Hinter den Parkplätzen ist es eigentlich korrekt, weiter rechts zu fahren (mit genügend Abstand zum Bordstein natürlich). Trotz der Tatsache, dass dort eine Kreuzung ist, wird natürlich sofort überholt:


Viele Überholende halten dabei genügend Abstand, aber knappe Überholmanöver gehören hier zur Tagesordnung. Auch Busse haben mich hier schon knapp überholt.

Es kommt häufig vor, dass auch hinter der Kreuzung überholt wird. Das ist gefährlich, da vor der Kurve danach schlecht eingesehen werden kann, ob eine Radfahrerin oder ein Radfahrer entgegenkommt. Und natürlich wird für das Überholen der Schutzstreifen mit verwendet:


Auch ohne Überholmanöver wird der Streifen allerdings als Abkürzung verwendet:


Aus dem Grund musste ich dort schon ein oder zwei mal eine Notbremsung machen. Gelenkbusse fahren hier übrigens auch und die überfahren immer die Linie - egal, ob ein Radfahrer darauf fährt oder nicht.

Kein Wunder also, warum ich hier in einer halben Stunde mindestens 18 (!!!) Gehwegradelnde gesehen habe. Z. B.:





Ich ärgere mich im Nachhinein darüber, nicht alle gezählt zu haben. Und darüber, dass ich nicht aufschrieb, wie viele Radelnde insgesamt passierten. Dennoch war der Anteil der Gehwegradelnden relativ hoch.

Natürlich muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass Viele noch nicht wissen, dass ein Weg neben einer Fahrbahn nicht unbedingt benutzt werden darf. Und dass Radelnde in diesem Abschnitt auf der Fahrbahn fahren müssen. Aber es dürfte den Meisten klar gewesen sein, dass Radelnde hier, zumindest in einer Richtung, auf der Fahrbahn fahren dürfen, da der Schutzstreifen dies anzeigt. Nichtsdestotrotz bin ich davon überzeugt, dass die hohe Zahl Gehwegradelnder nicht allein darauf zurückzuführen ist.

Ich wurde in der halben Stunde, die ich dort stand, sogar Zeuge einer unschönen Situation. Einer Situation, die ich fast täglich erlebe, wenn ich in Braunschweig auf Schutzstreifen unterwegs bin: Ein Auto will ein Fahrrad überholen. Leider kommt ein weiteres Fahrrad entgegen. Also: Trotzdem Überholen:



Es fehlt hier der Schutz vor KFZ. Das ist der Grund, aus dem mein Besuch hier ohne mich nicht auf der Fahrbahn gefahren wäre. Und ich wage die Behauptung, dass dies auf Viele zutrifft. Es ist eben nicht einladend, direkt vor und neben KFZ fahren zu müssen. Und es ist nicht sicher.

Objektiv kann diese Straße allerdings sehr sicher sein. "Sicherheit" besitzt nämlich zwei Komponenten: Die objektive und die subjektive Sicherheit. Objektive Sicherheit ist die reale Sicherheit, die sich in Unfallzahlen niederschlägt. Die nackten Zahlen also. Subjektive Sicherheit dagegen meint die die "gefühlte" Sicherheit. Ein gutes Beispiel für subjektive Sicherheit ist die Polizeibeamtin oder der Polizeibeamte. Steht sie oder er in der Bahnhofsvorhalle, fühlen sich Menschen allein durch ihre oder seine Anwesenheit sicherer.

Beide Sicherheitskomponenten für sich genommen sind bei Radverkehrsinfrastruktur zu berücksichtigen und keine darf zu kurz kommen. Eine Straße an einem bestimmten Ort kann objektiv (fast) perfekt sicher für Radelnde sein und subjektiv nicht. Es kann z. B. durchaus sein, dass auf einer Hauptstraße mit vielen KFZ, viel Schwerlastverkehr und zwei Spuren auf bestimmten Abschnitten keine Unfälle geschehen. Aber würden sich dort Radelnde sicher fühlen und dementsprechend dort gerne fahren? Umgekehrt kann Infrastruktur subjektiv sehr sicher sein und objektiv nicht. Ein schmaler, für Radelnde freigegebener Gehweg, der zwischen Bäumen weit weg von KFZ an vielen, stark genutzten Einfahrten entlangführt, kann sehr angenehm zu befahren sein, dürfte jedoch sehr unfallträchtig sein. Beide Extrema stellen keine gute Lösung dar.

Die gezeigte Infrastruktur in der Straße "Hintern Brüdern" würde ich als objektiv sicher einstufen und auch als subjektiv sicher, aber eben auch als subjektiv noch lange nicht sicher genug. Was hier für wirklich radverkehrsfördernde, attraktive Infrastruktur fehlt, ist der Schutz vor KFZ; exklusiver Platz für den Radverkehr. Und: breitere Wege für den Radverkehr.

Wir brauchen geschützte Radfahrstreifen.

P. S.: In der halben Stunde sah ich auch zwei Radelnde auf dem Schutzstreifen in falscher Richtung! Und eine Motoradfahrerin oder ein Motorradfahrer überholte auf dem Schutzstreifen einen Bus, ohne dass einsehbar war, ob vor dem Bus entlang ein Fahrrad in Richtung Schutzstreifen unterwegs war!

2016-08-19

Jasperallee macht keinen Spaß (mehr)

Als ich Anfang dieses Jahres zu bloggen begann, war ich noch sehr von der Situation für Radelnde auf der Jasperallee überzeugt. Dies lag hauptsächlich daran, dass ich damals ein Fan des Radelns auf der Fahrbahn - zusammen mit KFZ - war. Dies hat sich grundlegend geändert. Ich musste anerkennen, dass Kinder ab 10 Jahren und Senioren eher unsicherer und langsamerer radeln als ich, zum Teil auch sehr viel unsicherer und sehr viel langsamer. Tatsächlich gibt es in allen Altersgruppen sehr "gemütliche" Radelnde, auch in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis. Diese Leute fahren normalerweise sehr ungern mit KFZ.  Linien und Piktogramme auf der Fahrbahn wirken auf sie nicht sehr einladend. Und auch auf mich nicht mehr. Ich habe keinen Spaß mehr daran, mit KFZ um meinen Platz zu kämpfen. Situationen wie die in diesem Video gezeigten schrecken mich davor ab, die entsprechende Strecke nochmals zu befahren (Schön sind auch die Zeitpunkte 3:43 und 5:00 im Video).

Auch in der Jasperallee hatte ich schon die eine oder andere Nerverei, mit Linienbussen z. B. Das Stresslevel ist stets etwas erhöht. Und Bilder wie das folgende lassen den Wunsch nach einem ordentlichen Radweg in mir aufsteigen:


Der Platz rechts reicht nicht, darum müsste ich links vorbei. Da käme ich nach kurzer Zeit aber auch nicht weiter und ich will ja nach rechts. So oder so darf ich hinter einem Auto in einer Abgaswolke warten.

Kann ich hier bitte einen Radweg haben? Gerne auf der Fahrbahn, dann aber mit (milder) Barriere zu stehenden und fahrenden KFZ?

2016-07-02

Update zur neuen Museumsstraße

In der Braunschweiger Zeitung vom 06.06.2016 ist der Artikel "Eine Stadt in Fahrrad-Laune" erschienen:





Hierin geht es um die Fahrradtage vor dem Schloss und das Sattelfest. Er enthält einen Abschnitt, der mich aufhorchen ließ:

"Aber auch über Probleme auf Braunschweiger Straßen wurde am ADFC-Stand diskutiert. 'Die schmalen Fahrradstreifen und die Verkehrsführung auf der Museumsstraße wurden oft angesprochen", berichtete [der Braunschweiger ADFC-Vorsitzende] Mindermann. Bei vielen seiner Gesprächspartner sei herauszuhören gewesen, 'dass sie das Radfahren auf der Straße als unsicher empfinden.' Dabei, so Mindermann, sei objektiv betrachtet das Radfahren auf den Straßen sicherer als auf kombinierten Rad- und Gehwegen."

Mit "Straße" dürfte hier die Fahrbahn gemeint sein und mit "Fahrradstreifen" Fahrradschutzstreifen.

Über die neue Verkehrsführung in der Museumsstraße hatte ich ja schon einige (negative) Worte verloren. Dieser Zeitungsartikel bestätigt mich in meiner Auffassung, dass Radverkehrsfördung anders aussehen sollte. Dass die Streifen zu schmal sind, ist offensichtlich. Mir geht es aber um die Frage "Radweg oder Fahrbahn?". Ich bin hier nach wie vor unsicher, wie ich vor einiger Zeit ja auch schrieb. Inzwischen habe ich so einige unschöne Momente mit KFZ erleben können und habe deswegen hierzu zwei Dinge zu sagen:

1. Ich bezweifle, dass Radfahren auf Radwegen objektiv unsicherer ist als auf der Fahrbahn. Dieses Argument wird häufig hervorgebracht, insbesondere vom ADFC und den Grünen. Es gibt hierzu auch wissenschaftliche Untersuchungen. Soweit mir bekannt, haben diese aber lediglich herausgefunden, dass das Radfahren auf Radwegen älteren Standards unsicherer ist als auf der Fahrbahn. Wenn ich mir bspw. die neuen Radwege an der Hamburger Straße anschaue, die nach aktuellem Standard angelegt wurden, scheint mir dort die Konfliktgefahr an Einmündungen und Einfahrten kaum noch vorhanden zu sein:



Ich könnte mich in dieser Frage irren, denn bislang habe ich noch keine Untersuchungsergebnisse zu modernen Radwegen in Deutschland gesehen. Möglicherweise könnten entsprechende Untersuchungen zu Radwegen in den Niederlanden und Dänemark hier auch interessant sein, aber:

2. Selbst wenn das Radfahren auf der Fahrbahn immer objektiv sicherer wäre, wäre es mir, salopp ausgedrückt, wumpe. Ich möchte nicht mit KFZ um meinen Platz kämpfen. Ich möchte nicht direkt neben LKWs und Bussen fahren. Ich möchte nicht hoffen, dass mir das röhrende Auto, dass hinter mir anrollt, rechtzeitig abbremst, dann genug Abstand zu mir hält, dann nur dort überholt, wo ein genügender Seitenabstand zu mir eingehalten werden kann und nur, wenn aufgrund z. B. parkender KFZ oder Gegenverkehrs dieser Abstand auch tatsächlich eingehalten werden kann. Ich möchte nicht hoffen müssen, dass das Auto dann den erforderlichen Seitenabstand auch wirklich einhält und es mir nicht "eine Lektion erteilen" will. Ich habe auch keine Lust darauf, dass es mich nach dem Überholen schneidet. Sorry, meine Erfahrung mit KFZ ist leider so wie sie ist. Jeden Tag. Zwei mal bereits haben diese Erfahrungen dazu geführt, dass ich auf den betroffenen Abschnitten nicht mehr bzw. nur noch sehr ungern auf der Fahrbahn fahre. Mein Arbeitsweg ist total entspannt - bis auf die Fahrbahnabschnitte. Und wenn ich darüber nachdenke, dass auch zehnjährige Kinder laut StVO bereits auf der Fahrbahn fahren müssen, falls kein Radweg oder für Radelnde freigegebener Gehweg als Alternative vorhanden ist, krümmt sich mir der Magen.

Es war richtig, gegen die Benutzungspflicht von Radwegen vorzugehen. Und es ist gut, wenn die Radelnden, die es wollen und sich zutrauen, auf der Fahrbahn fahren können. Aber es muss Alternativen geben. Nicht in Form von Schrittgeschwindigkeit auf freigegebenen Gegwegen, sondern in Form von ordentlich angelegten Radwegen mit ordentlich gestalteten Kreuzungen und Grundstückseinfahrten.

2016-04-26

Die neue Museumsstraße

... ist nun fertiggestellt und ist aus Radel-Sicht großer Bockmist. Seht selbst:



Der Schnitt von links nach rechts gestaltet sich wie folgt: Sehr breiter Gehweg, Bäume, Parkstreifen, Fahrstreifen, Fahrstreifen, Parkstreifen, Bäume, extrem breiter Gehweg. Und irgendwo darin sind auch noch die schmalsten Schutzstreifen, die ich je gesehen habe. Ich mache keine Witze; nicht mal für das Fahrrad-Piktogramm ist genug Platz:



War wahrscheinlich nicht einfach, dafür zu sorgen, dass sich die Striche des Piktogramns und des Schutzstreifens nicht überlappen. Ja, es ist einfach nur ein Witz und weckt Erinnerungen an die gewöhnliche Radinfrastruktur in England, die Radelnde eher gefährdet als nützt. Noch besser ist übrigens, dass diese "Schutzstreifen" selbstverständlich in der Türzone der parkenden Autos verlaufen:



Tja, wenn hier ein KFZ neben einem Fahrrad fährt und plötzlich eine Tür aufgeht, ist die Person auf dem Fahrrad danach möglicherweise querschnittsgelähmt.

Schön ist auch das nächste Foto. Fahrrad fahren direkt an der Regenrinne und am Gummideckel:



Ich nehme an, hier wird erwartet, dass Radelnde eigentlich direkt an der Regenrinne fahren sollen. Wie sonst sollen sie sonst mit ihrem Lenker im Schutzstreifen-Bereich bleiben? Und Radelnde mit Kinder-Anhänger sollen mit dem rechten Rad des Anhängers wohl ganz in der Rinne fahren.

Neben bei bemerkt: Im Bild oben ist auch ein anscheinend wieder entferntes, großes Radsymbol in der Fahrstreifenmitte.

Auf der anderen Straßenseite sieht es genauso aus. Hier gibt es allerdings zusätzlich eine Einmündung:



Es wird sich zeigen, ob KFZ hier vor der ersten gestrichelten Linie halten, wenn sie in die Museumsstraße hinein fahren wollen; ich bin da skeptisch.

Weiter die Straße runter befindet sich die Kreuzung mit dem Magnitorwall, die nun so aussieht:



Radelnde sollen von nun an im Bild rechts an den KFZ vorbei. Wollen sie an der Kreuzung geradeaus, wird ihnen von einer Art Schutzstreifen angeboten, dass sie sich zwischen den geradeaus fahrenden KFZ und den Rechtsabbiegern entlang quetschen:



Wahrhaftig verführerisch, insbesondere für zehnjährige Kinder, Senioren und unsichere Radelnde.

Meine Annahme ist, dass in der Museumsstraße Tempo 30 gilt. Dann ist klar, dass die Regelwerke für solche Fälle Mischverkehr vorsehen. Aber warum nicht zusätzlich Radwege ohne Benutzungspflicht bauen? Das Argument "Zu wenig Platz" zieht hier nicht:



Zudem handelt es sich hier um eine wichtige Zubringer-Straße für das zentrale Parkhaus am Schloss. Hier fahren, insbesondere zur Rush Hour, sehr viele KFZ durch. Und Busse verkehren hier auch. Grundstückseinfahrten habe ich nicht in Erinnerung, weswegen auch die einem Radweg nicht im Wege stehen sollten. Warum den Radelnden bei so viel verfügbarem Platz und so starkem Verkehr lediglich einen erbärmlich schmalen Schutzstreifen in der Türzone geben?!

Über die Kreuzung hinüber kommen Radelnde übrigens auch mittels einer Art Schutzstreifen (Bild von der gegenüber liegenden Seite geknipst):



Radelnde können hier nur hoffen, dass auch SUVs und Lieferwagen hier Spurtreue zeigen oder zurückbleiben. Hinter der Kreuzung (in Richtung Georg-Eckert-Straße und dem Schloss) haben Radelnde dann zwei Optionen, wie die Markierung auch anzudeuten versucht:



Eigentlich macht die Markierung keinen Sinn, da auf der Verkehrsinsel im Vordergrund Radelnde laut Verkehrsführung nur in Gegenrichtung unterwegs sein sollten. Aber vielleicht ist mir der Sinn einfach noch nicht klar. In jedem Fall können Radelnde in Richtung Schloss auf der Fahrbahn (ohne Schutzstreifen) fahren oder auf dem Gehweg mit "Fahrräder frei", was dann Schrittgeschwindigkeit bedeutet. Diese Art von "Wahl" habe ich schon sehr häufig gesehen: "Fahr entweder auf der Fahrbahn zusammen mit KFZ, Bussen und LKW oder auf dem Gehweg, aber dann nur mit Schrittgeschwindigkeit". Bienrode zur Rush Hour kann ich zur Anschauung hierzu empfehlen.

Tja, zusammenfassend bleibt da nur zu sagen: So wird das nix mit dem Radverkehr in Braunschweig.

2016-04-17

Die neue Leonhardplatz-Kreuzung

Es gibt Neuerungen am Leonhardplatz!

Die Kreuzung dort wird seit einiger Zeit komplett umgebaut und neuerdings lässt sich erkennen, welche Änderungen es für Radelnde geben wird.

Eins vorweg: Ich ging zunächst davon aus, dass hier eine sogenannte Protected Intersection entstand. Das ist falsch. Dazu aber weiter unten mehr.

Aus dem Altewiekring kommend sieht die Radverkehrsführung nun jedenfalls so aus:





Diese Fahrradampel ist neu, aber - zum Glück - inzwischen Normalität an vielen Kreuzungen in Braunschweig. Fahren Radelnde hier geradeaus weiter, stellt sich die Lage für sie wie folgt dar:





Zur Baustellenzeit wurde man von den Linien unbeabsichtigter Weise auf die Busspur zur Bushaltestelle gegenüber geleitet - jetzt ist es klar, wo es für Radler geradeaus geht. Aber was ist, wenn man links abbiegen möchte? Nun, vom Fußgängerüberweg auf der rechten Seite aus gesehen, ist nun diese Markierung zu sehen:



Und dies hier ist die Sicht von direkt gegenüber:



Ja, ganz richtig: Ein Linksabbiege-Pfeil für Radler. In der Form ist das für mich eine Neuheit in Braunschweig. Und der Pfosten links im Bild? Es ist zu erkennen, dass sich unter der Abdeckung ein rotes Licht verbirgt. Meine Vermutung: Eine Linksabbiege-Ampel. In der Tat scheint der Linksabbiege-Weg genau darauf hinzudeuten:



Auf die Weise soll wahrscheinlich das indirekte Linksabbiegen, über das ich vor einiger Zeit schrieb, ermöglicht werden. Es ist gefährlich, diese legale Möglichkeit fürs Linksabbiegen in Braunschweig zu nutzen, da insbesondere die Ampelschaltungen diese im Normalfall nicht berücksichtigen. Hier scheint sie nicht nur berücksichtigt worden zu sein, sondern sogar die vorgesehene Möglichkeit nach links zu sein. Wobei man natürlich darauf gespannt sein darf, wie ihre Taktung in die Ampelschaltung der Kreuzung insgesamt integriert wird.

Biegen Radelnde hier links ab, kommen sie an die einzige Ecke ohne Linksabbiegepfeil auf der Fahrbahn:



Radelnde kommen nach dem Linksabbiegen hinter der Hecke von links ins gezeigte Bild. Diese Ecke ist fast eine "Protected-Intersection-Ecke", einer Ecke aus dem sichersten Kreuzungsdesign für Radler, der Protected Intersection: Es existiert ein Schutz zu den abbiegenden KFZ ohne Sichtbehinderung. Heranführung bis an die Kreuzung auf Radwegen. Allerdings würden Radler in einer tatsächlichen Protected Intersection nach dem Linksabbiegen VOR der Hecke von links ins Bild oben kommen.

Fahren Radler von dieser Ecke aus geradeaus über die Straße, finden sie einen weiteren Linksabbiegepfeil mitsamt mutmaßlicher Linksabbiege-Ampel vor:



Biegen Radelnde hier links ab, fahren sie einen klar markierten Radfahrstreifen entlang und finden auf der gegenüber liegenden Seite den dritten Linksabbiegepfeil (+Ampel) vor:





Soweit die Linksabbiegemöglichkeiten.

Fahren Radelnde hier geradeaus, geht die Fahrt auf dem Radfahrstreifen weiter:



Dieser ist nicht wirklich breit und führt an parkenden Autos direkt vorbei. An dem Abend, an dem ich die Fotos machte, parkten die Straße weiter runter drei KFZ direkt hintereinander auf ihm.

Der Weg aus dieser Richtung zur Kreuzung hin besteht für Radelnde ebenfalls aus einem Radfahrstreifen (Die Straße weiter runter verläuft auch er direkt in der Türzone). In der Nähe der Kreuzung, sieht es so aus:





Der Radfahrstreifen ist hier noch orange durchgestrichen und der Radweg benutzungspflichtig, aber dies wird mutmaßlich geändert werden. Dann können Radelnde auf dem Radfahrstreifen bis an die Kreuzung heran fahren und eine Fahrradampel lässt sie die Kreuzung geradeaus überqueren. Ob es auch in Zukunft erlaubt sein wird, die Ampel weiter rechts zu verwenden, ist unklar. Zur Zeit ist dies jedenfalls der Fall, da sie sowohl ein Fußgänger- als auch ein Radsymbol zeigt.

Es ist wahrscheinlich, dass der Radweg selbst erhalten bleibt, wodurch er auch nach Fertigstellung der Kreuzung benutzt werden darf. Dadurch können Radelnde darauf rechts abbiegen ohne an der Ampel zu halten. Natürlich kann auch auf der Fahrbahn rechts abgebogen werden.

Biegen wir nun rechts ab, kommen wir auf einen benutzungspflichtigen Radweg, der uns von der Kreuzung wegführt:



Der Weg zurück ist erneut auf einem benutzungspflichtigen Radweg zu bestreiten:






Schöne kleine Schikane hier. Das scheint in Braunschweig "in" zu sein. Fürs Geradeausfahren können Radelnde wie gewohnt die Fahrradampel verwenden. Dort können sie auch rechts auf die Fahrbahn abbiegen, da der Radweg rechts nicht benutzungspflichtig ist. Sie können allerdings auch hier, ohne an der Ampel zu halten, rechts auf dem Radweg abbiegen:



Radelnde, die aus dieser Straße kommen, haben zunächst ebenfalls die Wahl zwischen Fahrbahn und Radweg, werden dann aber nach kurzer Zeit ausschließlich auf der Fahrbahn geführt:









Runter vom Bürgersteig mit dem viel zu schmalen Radweg auf die gut befahrene Fahrbahn mit einem viel zu schmalen Schutzstreifen in der Türzone... Das Alles nur, damit sich hier ein paar KFZ breit machen können, denn danach beginnt rechts wieder ein nicht benutzungspflichtiger Radweg, auf der Fahrbahn beginnt ein Radfahrstreifen:





Auch hier müssen Radelnde die Fahrbahn fürs Geradeausfahren verwenden, da die Ampel rechts an der Hausecke eine Fußgängerampel ist. Und erneut können sie über die Fahrbahn oder den Radweg rechts abbiegen. Der Weg geradeaus über die Kreuzung wurde bereits weiter oben gezeigt. Rechts kommen Radelnde erneut auf einen benutzungspflichtigen Radweg:



Aus dieser Richtung kommend, gelangen wir wieder zum Anfang meines Posts:



Der Weg geradeaus führt mittels der Fahrradampel über die Fahrbahn, das Rechtsabbiegen ist hier nicht über den Radweg möglich, sondern nur über die Fahrbahn. Das waren alle Fahrwege von Radelnden.

Zusammenfassend können Radelnde in Zukunft in drei von vier Fällen für das Rechtsabbiegen den Radweg oder die Fahrbahn nutzen, in einem Fall nur die Fahrbahn. In drei von vier Fällen müssen sie auf der Fahrbahn indirekt links abbiegen, gesteuert von eigens dafür aufgestellten Ampeln und geleitet von Linksabbiegepfeilen auf der Fahrbahn. In einem Fall werden sie dazu auf einen Radweg geführt. Geradeausfahren ist in drei von vier Fällen nur über die Fahrbahn mittels Fahrradampel möglich, in einem Fall möglicherweise zusätzlich über eine gemeinsame Ampel für Fußgänger und Radelnde.

Ich bin gespannt darauf, wie diese Infrastruktur angenommen wird. Ich muss sagen, dass ich skeptisch bin, ob hier Eltern ihre zehnjährigen Kinder radeln lassen werden und ob sich Senioren das Linksabbiegen auf der Fahrbahn zutrauen. In jedem Fall dürften Radelnde hier in Zukunft zügig entlang kommen - egal in welche Richtung sie fahren wollen. Ich bin froh, dass das Abbiegen von Radelnden hier Eingang in die Planungen gefunden hat (im Gegensatz zu einigen anderen Orten in Braunschweig), schätze aber, dass eine Protected Intersection den Radverkehr stärker fördern würde - genug Platz für entsprechende Veränderungen wäre hier vorhanden gewesen.