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2016-09-19

Das Ringgleis ist über die Oker gewachsen!

Ich schrieb schonmal über das Ringgleis hier; eine Fuß- und Radverkehrsverbindung, die nach einmal rund um die Innenstadt verlaufen soll, sobald sie fertiggestellt ist. Sie ist nun im Norden über die Oker gewachsen:
Pressemitteilung von Montag, 19. September 2016
Stadt Braunschweig

Ringgleisbrücke über die Oker freigegeben
Freizeitweg wächst in den nächsten Jahren um über die Hälfte – OB Markurth: „Ringgleis wird zum Markenzeichen für städtebauliche Entwicklung“
So sehr ich auch von diesem Projekt überzeugt bin: "Freizeitweg" - *seufz*. Hier ist leider das Verständnis für das Fahrrad als eigentliches Verkehrsmittel noch nicht vorhanden. Aus diesem Grund wohl wurde für den Weg stellenweise Schotter und stellenweise Sand als "Untergrund" verwendet. Deswegen haben Zu Fuß Gehende und Radelnde wohl auch nirgendwo gegenüber kreuzenden Straßen Vorrang - selbst bei den ruhigsten und kleinsten Nebenstraßen.
Braunschweig. Die neue Ringgleisbrücke über die Oker zur Feuerwehrstraße ist am heutigen Montag, 19. September, eröffnet worden. Oberbürgermeister Ulrich Markurth durchschnitt gemeinsam mit den Bezirksbürgermeistern Jürgen Dölz und Wolfgang Pause in der Mitte des rund 54 Meter langen stählernen Brückenbauwerks ein symbolisches rotes Band. Damit hat der Ringgleisweg auf der ehemaligen Eisenbahntrasse rund um die Stadt jetzt die Feuerwehrstraße am östlichen Okerufer erreicht.

„Mit der Brücke, die wir heute freigeben, können wir den Ringgleisweg vom Westlichen Ringgebiet nun weiter in die Nordstadt führen“, freut sich Oberbürgermeister Ulrich Markurth. „Damit ist ein langgehegter Wunsch der Bürgerinnen und Bürger Wirklichkeit geworden. Wir kommen einen großen Schritt voran zu einem durchgehenden, von viel Grün umgebenen Fuß- und Radweg rund um die Stadt. Das Braunschweiger Ringgleis ist zugleich viel mehr als ein beliebter Freizeitweg: Es entwickelt sich zu einem die Stadtstruktur prägenden  Markenzeichen. Es fördert die Nahmobilität, erschließt und verbindet Orte der Stadtentwicklung, und es initiiert sogar neue städtebauliche Entwicklungen, wie es eindrucksvoll im Bereich des ehemaligen Westbahnhofs zu sehen ist.“

Die Brücke mit einer begehbaren Weite von drei Metern, bei der sich Radfahrer problemlos begegnen können, kostet einschließlich Klinker- und Sandsteinarbeiten an den Pfeilern insgesamt rund 850.000 €. Die Konstruktion aus Stahlfachwerk nimmt deutlichen Bezug auf die alte Eisenbahnbrücke. Die Stadt hat Fördermittel des Bundes und des Landes dazu eingesetzt.
Schön, schön. Aber drei Meter? Ein wenig mehr wäre hier durchaus angemessen gewesen - immerhin sollen sich hier Radelnde und zu Fuß Gehende in beiden Richtungen begegnen können.
An gleicher Position war 1885 eine Bahnbrücke im Zuge des Ringgleises errichtet worden, um das industriell geprägte westliche Stadtgebiet im Bereich des Westbahnhofs mit dem Nordbahnhof zu verbinden. Nachdem das Ringgleis seine Bedeutung für die Eisenbahn verloren hatte und nicht mehr genutzt wurde, wurde der Stahlfachwerküberbau der alten Bahnbrücke 1995 entfernt. Es blieben nur drei im Laufe der Zeit stark verwitterte Brückenpfeiler. Die noch gut erhaltenen alten Sandsteinverkleidungen und Sandstein-Stelen der Pfeiler wurden vorsichtig ausgebaut und später in die neuen Pfeiler integriert. Fehlende Sandsteine wurden ergänzt. Vorab wurden die alten Pfeilerköpfe entfernt,  um auf die alte Pfeilergründung neue Stahlbetonköpfe zu betonieren, die anschließend mit Klinkern verkleidet wurden.

Wie geht es mit dem Ringgleis weiter?

„Nachdem bis heute eine Wegstrecke von sieben Kilometern Länge fertiggestellt wurde, wollen wir in den nächsten beiden Jahren an den Endpunkten im Süden und Norden weitere Teilabschnitte mit einer Gesamtlänge von rund 4,1 Kilometern realisieren, um nach und nach dem stadtumlaufenden Ringschluss näher zu kommen“, kündigte Oberbürgermeister Markurth an. „Der Ringgleisweg soll bis 2018 also um mehr als die Hälfte seiner derzeitigen Strecke wachsen.“
 Das ist ordentlich!
Im nächsten Jahr soll parallel mit dem Bau mehrere Abschnitte des Ringgleises begonnen werden:

•       Feuerwehrstraße bis Hamburger Straße, 650 Meter Länge;
•       Hamburger Straße bis Mittelweg, 420 Meter;
•       Mittelweg bis Bienroder Weg, 1.070 Meter;
•       Kennelweg bis Echobrücke, 900 Meter.

In der Folge soll dann der Abschnitt Beethovenstraße bis Abtstraße mit 1.045 Metern Länge realisiert werden.

Insgesamt sind dafür 3,45 Mio. € veranschlagt, von denen der überwiegende Teil durch Mittel aus dem Niedersächsischen Kommunalinvestitionsför-dergesetz [sic] refinanziert werden soll.

Die geplante Trasse über das Gelände der Feuerwehr und des Heizkraftwerkes beginnt im Anschluss an die Okerbrücke, quert die Feuerwehrstraße und verläuft zwischen der aufgeständerten Ferngasleitung und dem historischen Gebäude des Kohlenbunkers. Der Weg knickt auf der asphaltierten Straße „Hasenwinkel“ nach Norden ab und wird am Ende der Straße, hinter dem nördlichen Grenzzaun des Kleingartenvereins Hasenwinkel, auf dem derzeitigen Grundstück des Heizkraftwerks und über die Reiherstraße bis zur Hamburger Straße verlaufen.
 Gefällt mir insgesamt ganz gut. Tatsächlich könnte das Ringgleis Teil meiner Pendlerstrecke werden. Allerdings nur, wenn er asphaltiert und mit Vorfahrt und guten Ampelschaltungen bestückt wird. Was bringt mir diese ach so tolle Radverbindung, wenn ich noch Tage nach ein paar Tropfen Regen im Matsch fahren müsste? Und was bringt es mir, das Ringgleis zu bependeln, wenn ich auf einer Parallelstraße sehr viel schneller voran komme, weil ich dort selten anhalten muss?

2016-08-27

enno macht's richtig

Ein weiterer Bahn-Anbieter macht es, ebenso wie die Westfalenbahn, richtig: enno (verkehrt z. B. zwischen Braunschweig und Wolfsburg). Die Fahrradmitnahme ist relativ einfach. Auf den Wagons, in denen Fahrräder untergebracht werden können, prangt ein sehr großes Fahrradsymbol, wodurch es sehr einfach ist, schnell zum richtigen Wagon zu gelangen. Die Fixierung gestaltet sich durch herausziehbare Gurte unter Klappsitzen ebenfalls kinderleicht:


In einigen Zügen der Deutschen Bahn gab es die Gurte übrigens auch mal. Ein Bahnmitarbeiter erklärte mir dazu, die Gurte würden ausleiern. Aha. Die Einstiegstüren gehen auch ab und zu kaputt. Ob die DB deswegen wohl bald die Türen komplett entfernen wird?

2016-03-05

Die Jasperallee - so sollte es überall sein (Mit Update)



Das ist die Jasperallee. Eine sehr schöne Straße mit Bäumen und einem Gehweg zwischen den beiden Fahrtrichtungen. Links und rechts außen angrenzend findet man jeweils einen Parkstreifen und dahinter einen Gehweg vor. Keiner der drei Gehwege ist für den Radverkehr frei gegeben; mit dem Rad ist man hier demnach auf der Fahrbahn unterwegs. Auch wenn zu den parkenden Autos - so, wie immer - mehr als ein Meter Abstand eingehalten werden muss, hält man keine KFZ auf, da die Fahrstreifen auch dann genug Platz zum Überholen mit seitlichem Sicherheitsabstand bieten. Alles in Allem eine angenehm zu befahrende Straße. Ja, ganz richtig: Ein Positivbeispiel für Fahrradinfrastruktur in Braunschweig.






Und es wird sogar noch besser! In den obigen Bildern ist die Kreuzung mit dem Ring von Osten her zu sehen. Es gibt eine Aufstellfläche für Radfahrer direkt vor der Ampel und einen Schutzstreifen, mittels dessen Radfahrer zur Aufstellfläche gelangen können. Hervorragend!

Zwei Negativpunkte darf ich allerdings nicht unerwähnt lassen. Der erste lässt sich auf dem ersten der zwei Bilder von der Kreuzung erahnen: Autofahrer so: "Welche Fahrrad-Aufstellfläche?" In dem Bild oben kann man noch damit zufrieden sein, dass der größte Teil der Fläche vom Autofahrer frei gelassen wurde, aber ich habe schon einige Male eine komplett "besetzte" Aufstellfläche gesehen.

Der zweite Negativpunkt betrifft die Tatsache, dass Fahrradfahrer hier gut vorausplanen müssen, wenn sie zu dieser Kreuzung gelangen und entweder geradeaus fahren oder links abbiegen wollen. Der rechte Fahrstreifen mit dem Schutzstreifen darauf ist nämlich nur für Rechtsabbieger bestimmt, der linke für die anderen beiden Richtungen. Will ich als Radfahrer links abbiegen und nehme den angebotenen Schutzstreifen, kann es sein, dass die Ampel grün wird, wenn ich noch nicht bei der Aufstellfläche angekommen bin. Als Folge davon befinde ich mich dann rechts neben vielen rechts abbiegenden Autos, obwohl ich nach links abbiegen möchte - eine prekäre Situation. Wenn ich es schaffe, den Rechtsabbiegern auszuweichen, habe ich als nächstes ein Problem mit den Geradeausfahrern auf dem linken Fahrstreifen. Beste Option ist es dann tatsächlich, auf dem Schutzstreifen stehen zu bleiben, bis die Autos vorbei gefahren sind oder die nächste Ampelphase abzuwarten, falls es zu viele sind. Traurig, aber so ist es leider.

Eine Alternative wäre es theoretisch, sich auf dem linken Fahrstreifen einzuordnen und dann zwischen den Fahrstreifen - und also auch zwischen den Autos - durchzufahren um zur Aufstellfläche zu gelangen. Auch hier kann man natürlich von "grün" überrascht werden, aber man hat dann zumindest nicht die Rechtsabbieger als Problem.

Weiterhin könnte man ganz links an den Autos vorbei, was aber bei einem plötzlichen "grün" der Ampel gefährlich werden könnte, da man sich z. B. links neben Linksabbiegern befinden könnte. Das Problem wäre noch gravierender, wenn man selbst beabsichtigt, geradeaus zu fahren.

Beide genannten Alternativen haben außerdem den Nachteil, dass evtl. nicht genug Platz zwischen den Autos bzw. zwischen dem linken Fahrbahnrand und den Autos ist. Und: Die erste Alternative ist klar illegal, die zweite ist es möglicherweise auch (bin nicht sicher). Denn: Während das Überholen von stehenden und langsam fahrenden Autos rechts am rechten Fahrbahnrand mit mäßiger Geschwindigkeit laut StVO (auch ohne vorhandenen Schutzstreifen) klar erlaubt ist, ist das "Filtering" zwischen Autos klar verboten. Ob das Vorbeifahren ganz links als gewöhnliches Überholen gilt, weiß ich nicht. Ich persönlich würde die Legalität jedenfalls als fragwürdig einstufen.

Eine letzte Alternative zur Benutzung des Schutzstreifens rechts existiert übrigens noch: Das gewöhnliche Einordnen und Warten hinter Autos ohne zur Aufstellfläche zu gelangen zu versuchen. Diese Alternative ist immer legal, wenn man links abbiegen möchte (Stichwort "direktes Linksabbiegen") und ist für geradeaus Fahrende und rechts Abbiegende legal, wenn kein benutzungspflichtiger Radweg oder Radfahrstreifen vorhanden ist - und dies ist in der Jasperallee der Fall. Aber wer will schon warten, wenn er es nicht möchte?!

Meine Empfehlung hier also: Möchte man rechts abbiegen: Schutzstreifen nutzen um zur Aufstellfläche zu gelangen. Wird die Ampel zu früh grün: Aufpassen! Per linkes Handzeichen zwischen zwei Autos einordnen und dann rechts abbiegen. Fährt man die Kreuzung an und möchte stattdessen geradeaus fahren oder links abbiegen: Versuchen, vorauszusehen, ob man genug Zeit hat, um über den Schutzstreifen zur Aufstelllfläche zu gelangen. Falls nein: Auf dem linken Fahrstreifen mittig einordnen und hinter den Autos warten. Falls ja: Schutzstreifen nutzen um zur Aufstellfläche zu gelangen. Hat man sich bzgl. der verbleibenden Zeit bis "grün" geirrt: Auf dem Schutzstreifen stehen bleiben und die Autos vorbei lassen. Ist die Ampel danach wieder rot: Auf zur Aufstellfläche. Ist sie noch grün: Geradeaus fahren bzw. links abbiegen.




Auf der anderen Seite der Kreuzung (aus Westen kommend) bietet sich ein anderes Bild: Während es auch hier den Schutzstreifen ganz rechts gibt, existiert ein weiterer auf dem linken Fahrstreifen. Das löst natürlich die oben geschilderten Probleme! Einfach auf der korrekten Fahrspur einordnen und den jeweiligen Schutzstreifen nutzen, um zur Aufstellfläche zu gelangen. Wird es zu früh grün: Per Handzeichen wieder einordnen und weiter fahren. Kommt man mit den Autos dann nicht rechtzeitig über die grüne Ampel, kann man erneut den Schutzstreifen nutzen. Sehr schön!

Aber ist das legal? Ich schrieb weiter oben ja, dass das sogenannte Filtering illegal ist. Ist es hier legal, weil es per Schutzstreifen angeboten wird? Ich habe keine Ahnung, hoffe aber, dass die Planer sich hierüber Gedanken gemacht haben.

Alles in Allem sind die Jasperallee und die dazu gehörende Ring-Kreuzung sehr gute Beispiele für moderne Fahrradinfrastruktur. Leider sieht man diese Positivbeispiele nur an sehr wenigen Orten in Braunschweig. Und das, obwohl z. B. Schutzstreifen und Aufstellflächen nur ein wenig Farbe auf dem Teer brauchen. Allerdings: Bei Neubauten und Umgestaltungen von Straßen wird tatsächlich neuerdings oft moderne Infrastruktur für Fahrradfahrer integriert. Ein sehr schöner Trend.


Update: Ich bin mir meiner Sache nicht mehr sicher: Wären separierte, geschützte Radwege der bessere Weg? Falls ja, wie kann man solche durchsetzen, wenn die Gesetzes- und Empfehlungslage in Deutschland deren Bau entgegen steht? Muss man dann jede Kreuzung, jede Garageneinfahrt umdesignen, um Radwege wirklich sicher befahrbar zu machen? Und wie soll man solche extremen Umbaumaßnahmen in Innenstädten gegen Politik, Experten und wenig Geld in der Kasse durchsetzen? Wären Radfahrstreifen, Schutzstreifen, allgemeiner Mischverkehr etc. ein nötiger Zwischenschritt auf dem Weg zu "richtiger" Infrastruktur? Wo sollen Kinder ab zehn Jahren bis dahin fahren? Wirklich mit Autos und LKWs zusammen bzw. neben ihnen?


Posted via Blogaway